Articles.

Deutsche Fechtkunst im 16. Jahrhundert.

Author: Prof. Dr. Giulio Panconcelli-Calzia
Transcribed by: Roger Norling of GHFS
Published: Feb 10th 2011

What was it like in a German 16th Century Fechtboden? Here is a glimpse written by Prof. Dr. G Panconcelli-Calzia in 1926, based on his studies of the manuscript entitled "Codex Guelf 83.4 August 8�, which still resides in the Herzog August Bibliothek in Wolfenb�ttel.

Prof. Dr. G Panconcelli-Calzia is a notable author of several books on experimental phonetics and was an early researcher of the Historical European Martial Arts (HEMA). Preceeded by the more famous Alfred Hutton, Egerton Castle, Sir Richard Burton, and other early fencers in the late 19th century, he tried reviving HEMA in the mid 1920's, when he was in his 40s. As such he is quite interesting, since he belongs to a second generation of early HEMA recreationists. However, little is known about how his ambitions actually turned out. And of course, the decades following his publications on Kunst des Fechtens (KDF) saw chaos and turmoil of never before seen proportions, with the rise of the fascist movement in large parts of Europe and the coming WWII, which may explain why we see no more articles on the topic after the 1920s.

But, during the years of 1922-48 Panconcelli-Calzia was a professor at the University of Hamburg and during his first years he wrote several extensive articles on the topic of fencing, both modern and historical. Here is a list of the known articles:

In 1924, the same year he began experimenting with HEMA, he wrote a 9p article entitled Fechten als Sport - Ein Beitrag zur Reform des Studentenfechtens. The very same year he wrote the 35p article Streifz�ge durch die Geschichte der Fechtkunst des 16., 17. und 18. Jahrhunderts. Winke und Vorschl�ge zur Neubelebung der Fechtkunst.
The following year, 1925 he wrote the 12p article Die Entstehung des Fechtens, the 16p article Das Fechten mit alten Waffen and the 12p article �ber den Fechtertypus und einige k�rperliche Erscheinungen beim Sportfechten. And finally, in 1926, the 8p article Deutsche Fechtkunst im 16. Jahrhundert (the article transcribed below).

Here is a quote that sheds a bit of light on his passion for the KDF.

Systematic attempts to revive the earlier German fencing arts were already started in 1924 by the author of these lines. The demonstrations, which always supplement the scientific lectures, were acclaimed by the audience, regardless if they were fencers or amateurs.

If the fencing of the earlier Germans were to again gain respect and these fencing techniques properly cultivated, then could someone, for whom the modern sport-weapons show no promise, perhaps use two-handers, especially if he is stocky and strong, another, who is lighter and more agile, would probably decide on the dusack, etc.

This should stay isolated not only for reasons relating to sports, but also for cultural history, for the cultivation and revival of old practices requires becoming acquainted with past cultural assets and so contributes to a deeper appreciation of the history of a people.
quote from article, transl. by Eli Combs
Prof. Dr. G Panconcelli-Calzia died in 1966 at the age of 88, after a successful career in the study of phonetics.

Here the article begins:

Deutsche Fechtkunst im 16. Jahrhundert.
Wer heute zum ersten Male einen fechtsaal betritt, wird sofort von dem bunten, beweglichen Bilde, das sich ihm bietet gefesselt. Zuerst sieht er allerdings nur ein Gewimmel von wei� gekleideten Gestalten, die den Kopf mit Masken verkappt die rechte Hand mit einem ledernen Handschuh gesch�tzt, sich rasch un entschlossen bewegen und Rufe aussto�en, Allm�hlich aber gew�hnt sich der Laie an diesen scheinbaren Wirrwarr.

Er sieht zwei Fechter mit zierlichen, d�nnen, biegsamen Waffen daherkommen, die sich einander gegen�berstellen. Sie halten die Maske in der Hand, heben die Waffen hoch und strecken sie zum Gru� zuerst dem Gegner zu, dann nach links und rechts, setzen die Maske auf und und nehmen die kampfstellung ein. Der Besucher hat Gl�ck, denn vor ihm stehen zwei erfahrene Fechter, die Wohl bedacht find, dem Grundsatz der Fechtkunst, "m�glichst oft den Gegner treffen, ohne getroffen zu werden", volle Ehre zu machen dabei aber die vorgeschriebenen Bewegungen nicht nur regelrecht, sondern auch sch�n auszuf�hren. Die Waffe ist das nur zum Stich bestimmte Florett; es wird damit ausschlie�lich zwischen Schl�sselbein und H�ftknochen gezielt. Diese Aufgabe h�rt sich sehr einfach an, es ist aber nicht leicht, ihr zu entsprechen. Der eine Fechter f�hrt rasche und enge Bewegungen aus, der Bedrohte l��t sich aber nicht verbluffen, verfolgt seinen Gegner mit scharfem Blick - er ist getroffen, meint der Zuschauer - nein, er hat mit einer einfachen Kreisbewegung dem Angriff abgewehrt, mit einem ebenso einfachen, aber blitzschnellen geraden Sto� geantwortet und den Gegner getroffen. Der kampf geht weiter! Angriff und Paraden werden schneller. Mit einem Male gibt sich der Gegner links beim Ausf�hren eines Sto�es eine Bl��e in der Flanke, der Fechter rechts b�ckt sich geschwind und st��t gegen die entbl��te Stelle, indem die Spitze der gegnerischen Waffe �ber seinen k�rper hinweggeht. Der letzte Treffer! Die Fechter spannen s�mtliche Muskeln ihres k�rpers aufs �u�erste und versuchen durch leise Ber�hrungen die klinge des Gegners zu gewinnen; jeder strebt durch allerlei Schliche danach, dem anderen irgendeine "Aktion" zu suggerieren, um ihn letzten Augenblick eine andere auszuf�hren und ihn dadurch zu �berrumpeln. Da - zwei blitzartige Bewegungen des Fechters rechts, vergebens! ... er findet die Brust, worauf er gezielt hat, nicht mehr; der Gegner links hat rasch aufgefa�t, sich noch rascher um seine vertikale Achse nach der seite gedreht, ist dem ihm zugedachten Sto�e entgangen und hat dem Gegner die Spitze seines Floretts mitten auf die Brust gesetzt. Hochheben der Schutzmaske Gru�, h�ndedruck - der Waffengang ist aus. Der laie versteht wohl die Einzelheiten und Feinheiten der Technik nicht, ist er aber in scharfer Beobachter und hat Berst�ndnis f�r Bewegung und Kampf, so kann er sich dem Zauber nicht entziehen, der von einem sch�nen Waffengange ausgeht.
Schon bietet sich dem Besicher ein neues ...


Querhieb auf die Brust mit dem Bidenhander, pariert durch einem Gegenhieb auf den Arm
Beabsichtiger Kopfhieb, vereitelt durch einen Flankenhieb
... Schauspiel. Es stellen sich jetzt zwei grundverschiedene Fechter gegeneinander. Der eine blutjung, gro�, gut entwickelt, mit muskul�sen unteren Extremit�ten und klugen Augen, die sich l�chelnd und doch im voraus siegesbewu�t auf den Gegner richten. Dieser ist nicht alt, aber auch nicht mehr jung. - Auch er l�chelt seinen Gegner zu, aber nicht im sicheren Gef�hl des Sieges ... im Gegenteil ... er wei�, da� jener ihm bei weitem �berlegen ist, stellt sich aber trotzdem ihm gegen�ber und will sich zusammennehmen; so verlangt es der Sportgeist! Die Waffen sind anders als die des ersten Paares: sein Florett mehr, sondern ein leichter S�bel, der f�r hieb und Sto� verwendet wird. Das "Spiel" ist hierdurch abwechslungsreicher als beim Florett, weil jetzt Kopf, Gesicht, Hals, Brust, Bauch, Flanke und Arm als Ziel gelten, aber um so schwieriger. Die Gegner wechseln den �blichen Gru� und nehmen die Stellung ein. Wie aus Erz gegossen steht der junge S�belfechter da und harrt ruhig der kommenden Dinge, er wird den andern "schon kriegen". Der "andere" versucht ihn durch allerlei Schliche zu t�uschen.
Nach fortwerfen der Waffe fasst der linke Fechter den Gegner hinter die Knie und Wirft ihn r�cklings zu Boden
Fechten mit dem Dusack aus Holz. Abwehr des Angriffs mit der linken hand und Kopfhieb
Er ber�hrt leise seine Klinge, f�hrt einige Finten aus, stampft mehrmals laut mit dem rechten Fu�e, erreicht aber nichts. Der Gegner nimmt keine Notiz davon, h�chstens �ndert er seine "Einladung". Da glaubt der �ltere den Augenblick gekommen, geht mit einen raschen Schritt vorw�rts auf seinen Gegner los, wird aber durch einen Hieb auf seinen Vorderarm angehalten. Er hat sich bei der Ausf�hrung einer Finte etwas - Vielleicht nur um 1-2 Zentimeter - entbl��t, was sofort von seinem geschickten Gegner ausgenutzt wurde. Es gibt keinen Stich oder Hieb, der mehr demoralisiert als derartige "Arrestst��e". Der kampf geht weiter; das Gl�ck steht aber nicht auf der Seite des �lteren Fechters. Er hat keinen Treffer zu verzeichnen, sein Gegner dagegen hat schon drei f�r sich, und da man beim S�bel bis f�nf Treffer sicht, so wird es brenzlig; er mu� sich noch mehr zusammennehmen. Der Kampf wird bewegter: Doppelspr�nge r�ck un seitw�rts, Verfolgen des fliehenden Gegners erh�hen den Reiz des Waffenganges. Um Ende hat der �ltere doch noch einem Treffer Angebracht - es ist ihm gelungen den Gegner zu verbl�ffen - worauf er - und mit Recht - stolz ist. "Vers�hnung" durch Gru� und H�ndedruck.
Das war sehr soabbebdm gesteht der Zuschauer sich sekbstm trotzdem hat ihm das Florettfechten verlangt mehr Bewegung und gestattet ein abwechlungsreicheres Spiel, aber das Florett hat etwas Leichteres un Gef�lligeres ... Ah jetzt wird wieder Florett gefochten ... Ein neues Fechterpaar nimmt Stellung. Aber merkw�rdigerweise geht das Fechten dieses Mal sehr bedacht vor sich, und sogar unser Zuschauer merkt nach kurter Zeit, da� die Fechter voirwiegend auf die Hand und den Vorderarm des Gegners zielen. Das Erstaunen des Zuschauers w�chst wenn er sieht, da� der eine Gegner auf den Fu� getroffen wird und da� der Treffer gilt. Er wird nun aufmerksamer. Die jetzt verwendete Waffe erinnert wohl and das Florett, ist aber anders gebaut: der Griff ist massiver, die Klinge dreikantig und steifer, als die des Floretts, die Glocke, die zum Handschutze dient, bedeutend gr��er. Es ist der Duelldegen, mit dem man wohl nur stechen, aber den ganzen K�rper als Zielscheibe benutzen kann. Im Erstfalle eine f�rchterliche Waffe; bei weitem gef�hrlicher als der leichte S�bel, denn ein Stich hat meist schlimmere Folgen als der Hieb. Der Zuschauer hat keine Freude an diesem degenkampf, was begreiflich ist, weil zur Beurteilung dieser Waffe tiefgehende technische Kenntnisse geh�ren.
Der Besucher ist �berrascht, da� alle Fechter auch nach einem verh�ltnism��ig kurzen Waffengange schneller atmen, erhitzt find und schwitzen. Er kann sich das nicht erkl�ren, denn dass Verhalten der Fechter lie� nicht auf �berm��ige K�rperanstrengungen schlie�. Der Zuschauer irrt sich!
Die Bewegungen guter und ...
Der Fechter rechts kommt seinem Gegner zuvor und trifft ihn auf die Flanke, bevor er den ihm zugedachten Kopfhieb erhalten hat
... erfarhener Fechter sehen geschmeidig behend abweschselnd gespannt und entlockert aus; Spr�nge vor-, r�ck und seitw�rts werden blitzschnell ausgef�hrt; auf einen Angriff folgt die Parade und Antwort so schnell, da� es den Eindruck einer enzelnen Bewegung erweckt. Der Waffengang steht sich daher leicht und m�helos an. Da� es das Ergebnis von langj�hrigen �bungen, die die Geduld und Ausdauer des Betreffenden auf eine harte Probe gestellt haben, und da� die M�helosigkeit nur scheinbar ist, ahnt der Zuschauer nicht. Hat man doch je nach den an den Fechter gestellten Anforderungen und je nach seiner seelischen Veranlagung und k�rperlichen Beschaffenheit festgestellt, da� ein freier Waffengang Temperaturerh�hungen bis 1,4C, Gewichtsabnahmen bis 750 gr, Blutdruckzunahmen von 35 Quecksilbermillimeter und eine Puls- und Herzbeschleunigung von �ber 100 Prozent hervorrufen kann; auch die Kohlenstoffbildung beim Fechten ist bei weitem gr�� als bei den Schwersten Berufen. Diese k�rperlichen Erscheinungen sind haupts�chlich auf die geistige Anspannung zur�ckzuf�hren, den so merkw�rdig es auch klingen mag, man sicht mit dem Geiste; der K�rper mi� allerdings so geschult sein, da� er jedem Willensantrieb sofort entspricht.
Mancher Leser wird daher fragen weshalb die Fechtk�nst, die den K�rper in so hohem Ma�e st�hlt und den Geist ausgezeichnet schult, nicht so verbreitet ist, wie sie es eigentlich verdient. Das Boxen wird z. B. viel mehr getrieben als das Fechten. Das hat mehrere Gr�nde. Zun�chst sind die technischen Grunds�tze des Boxens bei weitem ensacher als die des Fechtens. Weiter sind zum Boxen keine Waffen und auch - abgesehen von dem Handschuh, keine Schutzvorrichtungen n�tig; das Boxen kan au�erdem �berall, im Zimmer und im Freien, ausge�bt haben. Auch sieht jeder die praktische Anwendung des Boxens ein. Endlich herrscht eine gewisse Abneigung gegen das Sportfechten, weil in ihm eine Vorbereitung zum Zweikampf und folglich ein Mittel wird; die Sache verh�lt sich freilich umgekehrt, den gerade gute Sportfechter gehen ernsten Streitigkeiten aus dem Wege, weil sie zu gut wissen, von welchen Zuf�lligkeiten der Ausgang eines Zweikampfes abh�ngt! Mancher andere kann dem Sportfechten wegen der Stichwaffen, der Finten des "Auskneifens" durch Zur�ck - und Seitw�rtsspringen keine Zuneigung abgewinnen. Er sagt, das sei keine deutsche Art zu k�mpfen. Der Deutsche lauere nicht, h�pfe auch nicht hin und her, denn er k�nne einen ehrlichen Hieb, ohne mit den Wimpern zu Zucken, gut vertragen. So sei es immer gewesen und auch die "alten" Deutschen h�tten in dieser Weise gefochten.
Wir wollen diese letzte �u�erung n�her ins Auge fassen und pr�fen, ob sie auch den Tatsachen enspricht.
Die deutsche Fachliteratur weist seit dem 14. Jahrhundert manche wertvolle Manuskripte und Fechtb�cher auf, die Einsicht in die Vergangenheit der deutschen Fechtkunst gew�hren. Aus der Menge der handschriften fiel mir j�ngst ein Prachtexemplar aus dem 16. Jahrhundert auf. Es befindet sich in der Landesbibliothek zu Wolfenb�ttel und zeigt wundersch�ne handmalereien und gro�e Mannigfaltigkeit des Stoffes. Dank dem ...
Der Fechter rechts ist zu lange in seiner Stellung geblieben, was ihm einen Beinhueb einbringt
... Entgegenkommen der Leitung der Wolfenb�tteler Bibliothek war es mir m�glich, dieses Kleinod seiner Verborgenheit zu entrei�en und einige darin enthaltene Malereien in ihrer Originalfarbenpracht, hier �berhaupt zum ersten Male zu ver�ffentlichen.
Treten wir unsere Forschungsreise an und begeben uns auf einen Fechtboden des 16. Jahrhunderts. Die Handschrift soll dabei unser geschichtlicher F�hrer sein.

*

Ein alter Mann mit langem Barte und martialischem Aussehen ist der Fechtmeister. Er st�tzt sich auf eine Stange und beobachtet die Fechter; diese sind einsache kraftstrotzende und behende Leute. Zwei Burschen holen Waffen. Wir trauen unseren Augen nicht. Kaum haben sie mit beiden H�nden den Griff des m�chtigen Schwertes gefa�t, so greifen sie sich schon gegenseitig an. Es ist kein Gru� ausgetauscht worden, auch hat der eine Gegner nicht gewartet, bis der andere stellung nahm. Die burschen tragen keine Maske! Das ist doch Verwegenheit! ... Berihigen wir uns! Die Waffen sind stumpf, und die Burschen vertragen einen herzhaften Hieb. K�nnen sie das noch nicht, so m�ssen sie sich daran gew�hnen, werden sie doch auf dem Schlachfeld oder beim Preis- und Schaufechten ganz andere hiebe ertragen m�ssen, die mit scharfen Waffen versetzt werden. Wie die Burschen ihren Bidenhander geschickt f�hren! Sie warten nicht ab, bis der Gegner seine "Aktion" ausgef�hrt hat, um zu parieren und erst dann zu antworten, sondern wehren meistens Einen Hieb mit einem Gegenhieb ab, wie uns der Bursche links soeben gezeigt hat. Sein Gegner hatte ihm einen Querhieb auf die Brust zugedacht, er hat aber seine Waffe so entgegenhalten, da� nicht nur der Hieb pariert, sondern gleichzeitig der Gegner am Arm getroffen wurde. Aber Finten in unserem heutigen Sinne kennen sie doch! Der Bursche da rechts tut jetzt so, als ob er auf den Kopf des Gegners schlagen wollte; der Gegner hat kaum sein Schwert hochgehoben, so erh�lt er einen m�chtigen Hieb gegen die Flanke; es war ein mit gekreuzten Armen ausgef�hrter Streich. Das mu� schmerzen, da die Waffe schwer ist und der Hieb mit voller Wucht von kr�ftigen Armen ausgef�hrt wurde. Der Getroffenen schreit in der Tat w�tend auf, stellt den linken Fu� vor und legt sein Schwert auf die rechte Achsel, die Klinge h�ngt hinter ihm heram. Er will den sogenannten "Zornhieb" ausf�hren, der seinen Namen der seelischen Verfassung des Fechters verdankt. Wehe, wenn der Hieb sitzt, denn er kommt mit einer niederschmetternden Wucht, ist aber in Wirklichkeit nicht so gef�hrlich, weil er viel zu weit hergeholt werden mu�, und l��t daher eine Zwischenaktion leicht zu! Der Bursche, dem ein solcher Streich galt, ist in der Tat auf der Hut: dem Zornhieb entgeht er durch eine einsache tiefe Verbeugung und durch Einziehen des Bauches. Der schwere Bidenhander findet keinen Widerstand, saust in der Luft weiter und zieht den Fechter in einem gro� Bogen mit sich; rasch l��t der Angegriffen von oben herunter einen m�chtigen Hieb auf den R�cken des ...

Der Dolchfechter rechts hat seine rechte Hand unter den Arm des Gegners geschoben, mit der Linken dessen Handwurzel gefa�t und sticht ihn in den Aberschenkel
... Gegners sausen. Jetzt entsteht aber eine wilde Jagd! Der Getroffene springt seitw�rts hin und her, b�ckt sich tief bis auf den Boden, um wie eine Feder wieder emporzuschnellen, umkreist den Gegner, macht unglaublich viele und schnelle Finten und versucht Hiebe --- wenn sie das Ziel erreichten --- keine angenehme Ber�hrung f�r den Gegner w�ren. Aber der junge Bursche hat ein scharfes Auge ... trotzdem sehen wir ihn pl�tzlich auf den R�cken fallen. Was ist geschehen? Seinem w�tenden Gegner ist endlich ein so starker Schlag auf das gegnerische Schwert gelungen, da� dieses nach der Seite geschleudert wurde. Schnell hat er nun seine Waffe hingeworfen, sich mit einem Sprung dem Gegner gen�hert und blitzartig geb�ckt, ihn hinter die Knie gefa�t und r�cklings auf den Boden geworten. Wir meinen nun, der Hingest�rzte sei verloren, weil die lange Waffe, die er noch in der Hand beh�lt, ihn im Nahkampf nur behindere. Wir irren uns, denn die fr�heren deutschen Fechter waren im Ringkampf so ausgebildet, da� sie darin meistens dieselben guten Leistungen wie im Fechten aufwiesen. Es war allerdings nicht etwa der griechisch-r�mische Kampf, sondern ein Ringen, in dem alle Griffe ausnahmslos gestaltet waren. Mit der Zeit geriet in Deutschland diese Art zu ringen in Bergessenheit. Erst als sie Anfang dieses Jahrhunderts nach Deutschland unter dem erotischen Namen jujits' (dschudschits) von Japan eingef�hrt wurde, kam sie wie manches andere urspr�nglich Einheimische wieder zu Ehren - Unsere Aufmerksamkeit wurd jetzt von einem anderen Fechterpaar beansprucht das mit kurzen und eigent�mlich krummen Waffen k�mpft. Es find Dus�cke aus Holz. Aber, was sehen wir? Der eine Fechter pariert mit der linken Hand und schl�gt gleichzeitig seinen Gegner auf den Kopf! Das entspricht ganz und gar den Regeln. Bis zu Anfang des 19. Jahrhunderts wurde stets die linke Hand benutzt, einerlei ob man nach der deutschen oder welschen Weise focht. In romanischen L�ndern und besonders in Italien hielt man im 16. Jahrhundert sogar einen Dolch oder einen Mantel in der linken Hand. Der etwa siebzig Zentimeter lange und ein Pfund wiegende Holzdusack lie� ein verh�ltnism��ig rasches und bewegtes Spiel zu, auch waren Hieb und Paraden �u�erst abwechslungsreich.
Wenden wir uns nun nach jenem Teil des Fechtbodens, wo es merkw�rdig leise und ruhig zugeht. Halten jene Burschen nicht einen Dolch? Ja, und sie wollen damit fechten. Es wird keine Stellung genommen, kein Gru� gewechselt - der bis Mitte des 17. Jahrhunderts �berhaupt unbekannt war - es werden keine allzu lebhaften oder �berfl�ssigen Bewegungen ausgef�hrt. Jeder Bursche lauert und l��t keinen Augenblick seinen Gegner aus dem Auge; es kommt darauf an, ob der Mann "hoch oder niedrig" auf den andern losgeht ... "Gehet er hoch / so darffstu dich nichts besorgen / und ...
Den Unbewaffneten (links) ist es gelungen, den bewaffnen Arm des Gegners zu fassen. Er hebt das Bein des Gegners hoch und bringt ihn dadurch zu Fall.
... Magst die St�cke / so du im sinn hast / fren nemen / Gehet er aber nidrig / so habe dein inn guter acht" ... sagt Meister Auerswald. Eine Bewegung des einen Fechters, im den Gegner von oben zu treffen! Rasch packt ihn der Gegner an seiner rechten Handwurzel, dreht ihm den Arm herum, da� ihm die Sinne vergehen und sticht ihn auf den Oberschenkel. Verliert der eine Fechter seinen Dolch, oder ist er von einem Gegner unbewaffnet �berrascht worden, so ist er ausschlie�lich auf die Kunstgriffe des Ringkampfes angewiesen. Das zweite Dolchfechterpaar hat soeben einen Prachtvollen Augenblick dieses scheinbar ungleichen Kampfes gezeigt: der Unbewaffnete hat mit seiner rechten Hand den bewaffneten Arm des Gegner gefa�t, sich rasch geb�ckt und durch seitliches Hochheben des rechten Beins des Gegners diesen zu Fall gebracht.
Was ist aber f�r ein l�rmvoller Betrieb im benachbarten Hofe neben dem Fechtboden? Es wird auch hier gefochten. Diese Burschen k�nnen nur drau�en �ben, weil ihre Waffen viel zu lang find. Die langen Stangen, wo mit unsere Burschen im hofe fechten, sind die �bungswaffen zur Erlernung der handhabung der langen Lanze. Im Kriege ...
Fechten mit dem halben Stangen
Fechten mit der Hellebarde. Das Einhaken des Gegners mit der Beilklinge war sehr beliebt
... Benutzten die Landsknechte auch k�rzere Waffen und darauf bereiteten sie sich durch die sogenannten Halbstangen vor. Neben den Burschen mit den Halbstangen stehen auch andere mit der Hellebarde, die wegen ihrer Beilklinge - womit der Gegner eingehalt werden konnte - und ihrer Spitze im Nahkampf noch mehr zu f�rchten war als die �berm��ig langen Lanzen.

*

Vor -, r�ck- und seitw�rtsspringen, auf den Gegner lauern, fintieren, mit der linkenHand parieren, Entwaffnung des Gegners durch Schlag oder Greifen und Festhalten der Klingen, Ringen, alles war den deutschen Fechtern des 16. Jahrhunderts bekannt. Da� "fr�her" in Deutschland so gefochten wurde, wissen heute nur wenige. Mit der Zeit traten �nderungen ein. Die Vervollkommnung der Feuerwaffen einerseits und das Aufbl�hen der Fechtkunst in den romanischen L�ndern, insbesondere in Italien, �bten seit dem 16. Jahrhundert einen tief gehenden Einflu� auch in Deutschland aus. Gegen eine verh�ltnism��ig leichte Waffe wie den Degen konnten schwere, lange Waffen nicht auskommen, Das Degenfechten eroberte sich schnell das Feld und behauptete es Schon zur Zeit, aus der de Wolfenb�tteler Handschrift stammt, war das welsche Degenfechten gang und g�be in Deutschland. Auch ihre Ehrenh�ndel von der Mitte des 17. Jahrhunderts bis etwa zu den drei�iger Jahren des vorigen Jahrhunderts mit dem Sto�degen. Also bring die historische Betrachtung den Beweis, da� die "alten" Deutschen nicht ausschlie�lich im festen Abstand zu lauern und nur auf den Hieb gefochten haben.
Es w�re mit Freuden zu begr��en, wenn neben den neuen Waffen auch die Handhabung der alten der Vergangenheit entrissen und wieder gepflegt w�rde. Planm��ige Bersuche zur Belebung der fr�heren deutschen Fechtkunst hat der Berfasser dieser Zeitlen schon 1924 angestellt. Die Vorf�hrungen die jedesmal die wissenschaftlichen Vorlesungen erg�ngzten, fanden den Beifall der Zuschauer, einerlei ob sie Fechter oder Laien waren. K�me das Fechten der fr�heren Deutschen wieder zu Ehren und w�rde diese Fechttechnik wieder geb�hrend gepflegt, so k�nnte sich jemand, dem die modernen Sportwaffen nicht zusagen, vielleicht des Bidenhanders bedienen, besonders wenn er st�mmig und kr�ftig ist; ein anderer der leichter und behender ist, w�rde sich wahrscheinlich f�r den Dusack entschlie�en usw. Das sollte nicht nur aus rein sportlichen , sondern auch aus kulturgeschichtlichen Gr�nden vereinzelt bleiben, denn Pflege und Neubelebung alter Sitten bedingt das Kennerlernen vergangener Kulturg�ter und tr�gt so zur tieferen W�rdigung der Seschichte eines Volkes bei.

Note: I appologize for any errors in the transcription. Fraktur schrift, despite being relatively "modern", is still quite tough to transcribe and many letters are remarkably similar, as can be seen in the image below... It's been a while since I really worked with this type of texts and I need to refresh my "vision". And I prefer 16th cent German, since I have never studied modern German.

Please let me know if you find any errors, so I can correct them.