Below are three versions of the Fencing Ordinance of the Swiss town of Solothurn, first the original, then the English translation, then a German re-statement.  All translations are mine.

At the time, Solothurn was a full member of the Swiss Confederacy and a very important supplier of mercenaries, especially to the French court.

239. Fechtordnung

Ordnunge des fåchtens halb

23. Juli 1546

frytage vor Jacobj appostoli

fechtschuel             Es ist vor Schultheß und Rat erschinen der ersam Hans Tågenscher der kürsiner unnd angezoygt, wie er willens ein fåchttschule zehalltten unnd mencklich umb sin gelltte in nachfolgender gestalltte zeleren:

[1]           4sh auf das schwärtschild legen        Unnd anfenklich, wollicher lust habe von ine fechten zelernen, derselb sol zu dem ersten vier schilling uff das schwärttschiltt legen.

[2]           schulrecht               Darnach so wil er im die fünff how, darzů ein uffheben, ein niderlegen, vier niederstellen, dry usgang, drü stuck vor dem mann, wollichs zu einem schulrecht gehören, leren.  Von sollichen stucken sol ime ein jeder einen gulldin ze lone geben.

[3]           Lernet aber er die fünff how nitt, oder vermeyndte, er wäre nit so geschickt, das er sy lernen kondte, so ist er im nützit schulldig.

[4]           Er has sich auch erlutrott, das er niemande dhein andere stucke, dann wie obgemelltt, umb ein gulldin wil leren, damitte einer hinach nit mochtte sprechen, er müsste einen alle kunst umb einen gulldin leren.

[5]           So aber einer andern stucke darzů von ime lernen wolte, den wil er gern wytter umb sin zimlich gellte underrichten.

[6]           Und darmitte mencklich der sich ergibt, obgemellte mannszucht zelernen, sich dester bas wüsse zehalltten, sind diß nachvollgende straffen, denen so sich ungehorsam erzoygten, oder sumig würden, uffgesatzt:

                  strafen des schwerens         Namlich wollicher by Gottes namen in zornes wyse schweren, der ist ein Fryburg schilling zůbůß verfallen.

                  Und so einer ein gewer můtwillig hinwäg werfft, oder nitt recht niderlegt, ist ouch ein Fryburg schilling verfallen.

                  liegen     Wöllicher ouch den andern heyß liegen, sol ouch jetz gemelltte bůß geben.

                  ze spat komen       Unnd so einer ein unlutt oder koppen lasst, deßglychen die bestimpte stunde versumpt unnd nitt in der fächtschul erschint, ist ouch, so dick es zeschullden kompt, ein Fryburg schilling verfallen, und sol das gellt in ein buchsen gelegt und durch die schüler verzert werden.

[7]           Und so einer in einem gleer uffhörtt, sol er die andern ligen lassen, biß er ußgelertt hatt, alls dann mag er in einem andern wol anfachen.

[8]           Und so der fächtmeyster si all hatt ußgelert, wil er sy in der wochen zwen tage, nämlich uff dem zinstage unnd donstage, damitte sy des fåchtens nit vergässen, widerum üben.

[9]           gehorsam                Und diewyl fächten eine lobliche manßzucht ist, und der jugend wol anstatt, wollen obgemellten min herrn, das wollich sich in die fächttschule ergeben, in all obenantten stücken gerhorsam syen; dan si den fächtmeyster darby handhaben unnd schützen werden, deßhalb mag sich ein jeder darnach wüssen zeschicken.

Solothurn in 1548

Solothurn in 1548

English translation:

Fencing Ordinance

Ordinance for the Benefit of Fencing

23rd July 1546

Friday before St. James the Apostle

Fencing School      Appeared before the mayor and council the honourable Hans Tägenscher, furrier, and announced that he was willing to open a fencing school and to teach whomsoever in the following manner:

[1] Lay 4s on the Sword-Shield                 And firstly, whoever desires to learn fencing from him, he shall first lay 4s on the sword-shield.

[2] Rules on School    Thereafter he shall teach him the five strikes, additionally one lifting up, one laying down, four putting down, three exits and three techniques in front of the man, all of which belong to the rules on school. For these techniques every one shall give him one guilder as remuneration.

[3] But if he does not learn the five strikes, or believes, that he not so skilful that he could learn them, then he owes him nothing.

[4] He also explained that he shall not teach anyone any techniques other than the ones mentioned, so that no-one can later say that he has to teach a pupil all his art for one guilder.

[5] But if someone wants to learn additional techniques, he shall gladly teach him further for appropriate remuneration.

[6] And so that everyone who is keen to learn the abovementioned civic discipline shall know how to comport themselves all the more appropriately, the following penalties are stated for all who are disobedient or dilatory:

Penalty for Swearing           Who takes God’s name in anger, he is liable of a fine of one Fribourg shilling.

And one who throws a weapon or does not lay it down properly, is also liable for a Fribourg shilling

Lying       Also who induces another to lie, shall pay the stated fine.

Being late               If someone farts or belches, or misses the appointed time and does not appear in the Fechtschule, shall – if it is by his fault – pay one Fribourg shilling. The money shall be laid in a box and be consumed by the pupils.

[7] And if some drops the course, so he shall let the others be, until he has finished teaching them, and after that he may start again with someone else.

[8] And when the fencing master has finished the course, he shall continue to practice with them twice a week, to whit on Tuesday and Thursday, so that they don’t forget fencing.

[9] Obedience               And since fencing is a laudable civic discipline, and befitting of the youth, the abovementioned gentlemen who wish to attend the fencing school shall be obedient in all respects; so that they support and protect the fencing master, each and every one shall comply with the above.

German transcription

Fechtordnung

Ordnung des Fechtens halber

23. Juli 1546

Freitag vor St. Jakob Apostel

Fechtschule            Es ist vor Schultheiß und Rat erschienen der ehrsame Hans Tägenscher der Kürschner und hat angezeigt, daß er willens sei, eine Fechtschule zu halten und männiglich für Geld in nachfolgender Gestalt zu lehren:

[1] 4 Schillinge auf das Schwertschild legen         Und anfänglich, wer Lust hat, von ihm Fechten zu lernen, derselbe soll zuerst vier Schilling auf das Schwertschild legen.

[2] Schulrecht               Danach soll er ihm die fünf Haue, dazu ein Aufheben, ein Niederlegen, vier Niederstellen, drei Ausgänge, drei Stücke vor dem Mann, welche [alle] zu einem Schulrecht gehören, lehren.  Von solchen Stücken soll ihm ein jeder einen Gulden zu Lohne geben.

[3] Lernt er aber die fünf Haue nicht, oder meint er, er sei nicht so geschickt, daß er sie lernen könnte, so ist er ihm nichts schuldig.

[4] Er hat auch erläutert, dass er niemandem andere Stücke als die obgemeldeten für einen Gulden leren will, damit hernach niemand sagen kann, er müsste einem alle Kunst für einen Gulden lehren.

[5] Wenn aber einer weitere Stücke von ihm dazulernen wollte, den soll er gerne weiter für angemessenes Geld unterrichten.

[6] Und damit männiglich der sich anschickt, obgemeldete Mannszucht zu lernen, sich desto schicklicher zu verhalten wisse, sind die nachfolgenden Strafen für jeden, der sich ungehorsam erweist oder säumig wird, aufgesetzt:

Strafe des Schwörens           Nämlich wer bei Gottes Namen in Zornes weise schwört, ist zu einer Buße von einem Freiburger Schilling verfallen.

Und wenn einer eine Waffe mutwillig wirft, oder nicht richtig niederlegt, ist auch einem Freiburger Schilling verfallen.

Lügen      Wer auch den anderen Lügen heißt, soll auch die erwähnte Buße zahlen.

Zu spät kommen   Wenn einer furzt oder rülpst, desgleichen die bestimmte Stunde versäumt und nicht in der Fechtschule erscheint, ist auch, wenn er es schuldhaft tut, einem Freiburger Schilling verfallen, und das Geld soll in eine Büchse gelegt und durch die Schüler verzehrt werden.

Und wenn einer in einem Kurs aufhört, soll er die anderen liegen lassen, bis der Kurs abgeschlossen ist, dann mag er einen anderen anfangen.

Und wenn der Fechtmeister den Kurs abgeschlossen hat, will er sie in der Woche and zwei Tagen, nämlich am Dienstag und Donnerstag, wiederum üben, damit sie das Fechten nicht vergäßen.

Gehorsam               Und weil das Fechten eine löbliche Mannszucht ist, und der Jugend wohl ansteht, sollen die erwähnten Herren, welche die Fechtschule besuchen wollen, in allen erwähnten Stücken gehorsam sein; damit sie den Fechtmeister dabei unterstützen und schützen, soll sich ein jeder darin zu schicken wissen.

Sources:

Rechtsquellen des Kantons Solothurn, Zweiter Band: Mandate, Verordnungen, Satzungen des Standes Solothurn von 1435 bis 1604, Bearbeitet und herausgegeben von Charles Studer; Verlag Sauerländer Aargau 1987, p. 332-333

http://viewer.rechtsquellen.ch/online/SO_I_2/index.html#p_332

Jürg Gassmann
My background is in law, with a major academic interest in Roman law. I will happily deal with Roman law and feudal law, and in terms of languages am comfortable with Latin all ages, German all ages (Southern Germany), and modern German, English, French, Italian and some others.